Als Sammlerin und Hobby‑Speedrunnerin habe ich im Laufe der Jahre unzählige Arcade‑Boards gesucht, gekauft, repariert und versendet. In diesem Beitrag teile ich meine persönlichen Erfahrungen: wo ich echte Boards finde, wie ich ihre Echtheit prüfe, welche Quellen ich für verlässlich halte und wie ich den Versand sichere. Wenn du selbst in die Sammlung oder Reparatur einsteigen willst, sollen dir diese Tipps die ersten Schritte erleichtern.

Wo ich nach echten Arcade‑Boards suche

Meine Suche beginnt meistens online, aber oft führt der Weg über mehrere Kanäle gleichzeitig — das erhöht die Chancen, ein gut erhaltenes Board zu finden.

  • eBay (lokal und international): Ich nutze häufig eBay.de und eBay.com. Achte auf detaillierte Fotos, Seriennummern und den Verkäufer‑Score. Bei höheren Preisen frage ich vor dem Kauf nach weiteren Bildern vom PCB‑Aufdruck und dem EPROM‑Label.
  • Facebook‑Gruppen & Discord‑Communities: Gruppen wie „Arcade Swap & Sell“, „Retro Gaming Collectors“ oder persönliche Discord‑Server haben oft sehr gute Angebote — allerdings sollte man hier besonders auf Bewertungen und Referenzen achten.
  • Spezialisierte Marktplätze: Webseiten wie ReproFactory, KLOV (Killer List of Videogames) oder Arcade‑Rec bieten Hinweise, Händlerlisten und manchmal auch direkte Verkaufsangebote. Für Ersatzteile nutze ich z.B. ArcadeShop.de oder Smallcab.
  • Flohmärkte, Retro‑Messen und lokale Arcades: In meiner Umgebung habe ich bereits echte Schätze gefunden — oft günstiger als online, aber man muss Zeit mitbringen und wissen, wie man überprüft.
  • Auktionshäuser und Reparaturservices: Größere Auktionshäuser bieten manchmal Komplettgehäuse oder Boards als Lot an. Profi‑Reparaturservices (z. B. CyberGizmo, NoLimitRepair) verkaufen manchmal Boards nach Instandsetzung.

Wie ich die Echtheit prüfe

Ein paar Fotos und ein guter Text reichen manchmal — aber zur Sicherheit verlange ich immer spezifische Details. Das sind meine Checkpunkte:

  • PCB‑Aufdruck und Revisionen: Die meisten Hersteller (Capcom, Konami, SNK, Sega) kennzeichnen die Platten deutlich. Ich vergleiche die Aufdrucke mit Referenzfotos aus KLOV oder System‑ROM‑Listen.
  • EPROM‑Label und CRC‑Prüfung: Ein originales EPROM trägt oft Aufkleber oder gravierte Bezeichnungen. Man kann CRC‑Werte der ROMs mit Datenbanken abgleichen — ich frage Verkäufer gelegentlich nach Dumps.
  • Steckverbinder und JAMMA‑Konformität: Originale Boards haben konsistente Pinouts; Repros oder Fakes weichen oft ab. Bei JAMMA‑Boards prüfe ich, ob der Konnektor sauber eingelötet ist.
  • Board‑Modifikationen: Achte auf Lötstellen, zusätzliche Jumper, Ersatzkondensatoren oder Nachrüstplatinen. Diese können auf Reparaturen, aber auch auf Modifikationen (z. B. PS/2‑Adapter) hindeuten.
  • Chip‑Marken: Hersteller wie AMD, TI, NEC auf RAM/CPU sind ein gutes Zeichen. Komplett anonyme ICs ohne Beschriftung sind verdächtig.
  • Foto‑Vergleich: Ich vergleiche Verkäuferfotos mit Archivbildern (z. B. auf System‑MUSEUMS oder den Herstellerarchiven).

Prüfcheckliste (Quick‑Reference)

Prüfpunkt Was ich suche Aktion bei Unsicherheit
PCB‑Aufdruck Hersteller, Revision, Datum Fotos anfordern, mit Referenzen vergleichen
EPROM / ROM Beschriftung, CRC‑Werte Dump anfordern oder Verkäufer zu ROM‑Test bitten
IC‑Beschriftungen Serien/Hersteller sichtbar Bei fehlenden Beschriftungen misstrauisch sein
Modifikationen Zusätzliche Board‑Teile, Lötstellen Nach Reparaturhistorie fragen
Fotos Gesamtzustand Korrosion, gebrochene Pins Preis entsprechend anpassen oder ablehnen

Verlässliche Quellen und Händler, denen ich vertraue

Durch Erfahrung habe ich eine Liste von Anlaufstellen aufgebaut, die regelmäßig saubere Ware und transparente Kommunikation bieten:

  • Specialized sellers auf eBay mit hohem Feedback: Verkäufer, die detaillierte Tests und Rückgaberegeln anbieten, sind mir lieber als anonyme Accounts.
  • Arcade‑Shops wie Smallcab, ArcadeShop.de: Diese Händler bieten oft geprüfte Boards, Adapter und Ersatzteile — nicht ganz günstig, aber zuverlässig.
  • Restaurationsservices: Werkstätten in Europa (z. B. RetroFix, NoLimitRepair) verkaufen reparierte Boards mit Gewährleistung.
  • Community‑Empfehlungen: Wenn mehrere erfahrene Sammler denselben Verkäufer loben, ist das ein starkes Signal.
  • Herstellerarchive und KLOV: Für technische Referenzen und Identifikation unschlagbar.

Sicherer Versand — wie ich meine Boards verpacke und versende

Ein Board kann durch unsachgemäßen Versand irreparabel beschädigt werden. Das sind meine Schritte für sicheren Versand — sowohl als Käufer als auch als Verkäufer:

  • Antistatische Verpackung: Immer in antistatischem Beutel (ESD‑Bag). Ohne diesen Schritt ist das Risiko für statische Schäden hoch.
  • Stoßdämpfung: Polster um den Beutel, z. B. Luftpolsterfolie oder Schaumstoff‑Polster. Ich wickle das Board mehrfach, besonders um empfindliche Bauteile.
  • Stabile Außenverpackung: Robuster Karton, gegebenenfalls eine Schachtel innerhalb einer Schachtel. Ich nutze häufig doppellagige Kartons von UPS oder DHL.
  • Sicherung gegen Verdrehen: Das Board im Karton fixieren, damit es nicht rutschen kann. Kleine Holzleisten oder feste Schaumstoffkeile sind hilfreich.
  • Versicherter Versand & Tracking: Immer versichert und mit Tracking verschicken. Für teure Boards wähle ich eine Sendungsversicherung, die Ersatz im Schadensfall deckt.
  • Dokumentation: Fotos vor dem Verpacken machen, Seriennummern notieren. Im Streitfall sind diese Beweise Gold wert.
  • Versandmarken und Kennzeichnung: Keine „Fragile“‑Aufkleber als Fake‑Sicherheit — lieber auf die stabile Verpackung setzen. Bei Export beachte ich Zollangaben korrekt (z. B. „Electronic circuit board, used“).

Besondere Hinweise zur Reparatur

Wenn ein Board ankommt, das nicht sofort funktioniert, sind das meine ersten Schritte:

  • Visuelle Inspektion: Suche nach verbrannten Bauteilen, ausgelaufenen Kondensatoren, gebrochenen Lötstellen oder korrodierten Kontakten.
  • Stromversorgung prüfen: Saubere 5V, 12V (je nach System) messen — viele Schäden entstehen durch falsches Netzteil.
  • Sockets & RAM: Reseat von Chips in Sockeln, Reinigung der Kontakte mit Isopropanol, Austausch alter Batterie‑Backup‑Batterien.
  • EPROM‑Backup: Wenn möglich, EPROMs dumpen, um Originaldaten zu sichern, bevor man etwas ändert.
  • Teilequellen: Für spezielle ICs nutze ich AliExpress, Mouser, oder lokale Elektronikläden — aber Ersatz von kritischen Bauteilen lasse ich oft von Profis machen.

Wenn du möchtest, kann ich in einem nächsten Artikel Schritt‑für‑Schritt einen typischen Reparaturfall dokumentieren (Fotos, Messwerte, Fehlerbehebung). Sag mir, welches Board du hast — oder welche Quellen du bisher ausprobiert hast — und ich helfe dir gezielter weiter.